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Akkordeonorchester Herrenberg: "La Dolce Vita" beim Jahreskonzert in der Alten Turnhalle begeistert das Publikum

Italienische Lebensart und spielerische Leichtigkeit

Gut gefüllt mit äußerst klatschfreudigem Publikum war am Samstagabend die Alte Turnhalle in Herrenberg. Auch die Austauschgäste der Musikschule Amstelveen aus Holland waren gespannt auf das Programm, das das Akkordeonorchester Herrenberg unter der Leitung von Dieter Dörrenbächer präsentierte.


VON STEFANIE BAUMANN

Der Abend stand unter dem Motto "La Dolce Vita". Das 1. Orchester spielte im zweiten, der Unterhaltungsmusik gewidmeten Teil Medleys von Ennio Morricone und Henry Mancini, auch Rondo Veneziano durfte nicht fehlen. Zudem erklang das Concerto "La Notte" von Antonio Vivaldi mit der Blockflötensolistin Veronika Vogel-Müller und das Intermezzo aus Pietro Mascagnis "Melodramma in un atto: Cavalleria rusticana".
Das Jugendorchester erfreute die Zuhörenden vor der Pause mit der Kindersinfonie, die Leopold Mozart zugeschrieben wird. Diese erklang bereits beim Weihnachtskonzert der Musikschule in der St.-Martins-Kirche. Der Klassiker wurde ansprechend umgesetzt, unterstützt von den drei Schlagwerkern Lukas Reiter, Tim Kocholl und Gamar Rashied, die nach der Pause auch ein Stück der Minis begleiteten. Eine Bearbeitung der charakteristischen Goldfinger-Melodie kam auf Wunsch des Jugendorchesters in das Programm. Das Stück gelang spannend und rhythmisch geschlossen. Begeisterter Applaus, gepaart mit Jubelrufen, war der Lohn für diesen Beitrag.
Nach der Pause waren die Minis an der Reihe. Aus den Ferienbildern von Ernst-Thilo Kalke erklang eine Rumba-Melodie von einer südlichen Insel und ein getragenes Tänzchen, welches sich zum Ende hin steigerte. Sehr klangfarbenreich zeigte sich auch das Nocturne von Lars Holm: Dieter Dörrenbächer hatte die Jüngsten hier gut im Griff, ein schöner Da-capo-Übergang war zu hören.
Einer der Höhepunkte des Abends war gleich der Auftakt: Das Concerto Nr. 10 op. 2 g-Moll von Antonio Vivaldi mit dem Untertitel "La notte" (zu Deutsch: die Nacht) schildert Traumerlebnisse vom beginnenden Herzschlag hin zu bewegteren Erlebnissen. Insgesamt sechs Sätze mit jeweils wechselnden Tempi umfasst das Stück. Dörrenbächer verwendete den originalen Streichersatz, das Orchester musizierte geschlossen und spritzig. Der Wechsel zwischen Solo und Tuttipassagen klappte gut. Souverän brillierte die Blockflötensolistin Veronika Vogel-Müller, die an der Musikschule Herrenberg unterrichtet. Opernhaftes Flair kam mit dem gefühlvoll-langsamen "Intermezzo sinfonico" aus der "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni in die Alte Turnhalle. Beim zweiten Auftritt erhielt das 1. Orchester bereits Auftaktapplaus. In den "Stagioni die Venezia" nach der Komposition für Rondo Veneziano war Virtuosität gefordert, eine vielschichtige Struktur entstand. Der gesamte Unterhaltungsteil wurde von Philipp Maier und dem kurzfristig eingesprungenen Johannes Clemens Schmidt am Schlagwerk begleitet. Sie sorgen gekonnt für den richtigen Beat. Bekannte Melodien der Filmmusik wie "Moon River" oder der "Baby Elephant Walk" begegneten beim Mancini-Potpourri. Man wartete zunächst vergebens auf den "Pink Panther", der dann aber als erste Zugabe gespielt wurde. Schöne dynamische Übergänge und Tempowechsel gelangen unter dem präzisen Dirigat Dörrenbächers. Spielfreude blitzte auch bei der Darbietung des Medleys vom Italowestern-Komponisten Ennio Morricone mit nahtlosen Übergängen auf. "Spiel mir das Lied vom Tod" begann mit der einsamen Mundharmonika, "My Name ist Nobody" galoppierte freudig daher und "Der Profi" baute Spannung auf.
Auch als zweite Zugabe wurden Auszüge dieses Stückes gespielt. Das Publikum war restlos begeistert und tobte.