Blue Flower

Musikschultag bei "Sommerfarben": Über 40 Einzelveranstaltungen

Klänge erfüllen die Gassen



Herrlicher Sonnenschein, fünf Bühnen in der Innenstadt, Musik an jeder Straßenecke und Menschenströme, die zwischen den Trommeln, Saxofonen und Blechblasinstrumenten hin und her wirbeln - der Musikschultag der "Sommerfarben" brachte am Samstag einmal mehr hörbar Leben in die Stadt.


VON THOMAS MORAWITZKY

Musikschulleiterin Doris Froese sang es vor: "I like to be in America" aus Leonard Bernsteins "West Side Story". Gegen 14.30 Uhr, als das Finale des Musikschultages auf dem Marktplatz begann, war die dortige Tribüne zu drei Vierteln gefüllt mit Menschen, deren Aufgabe es nun sein sollte, die Zeile aus dem berühmten Musical nachzusingen. Zuerst sprach Doris Froese den Text, dann spielte die Blechbläsergruppen die Melodie, dann ließ die Schlagzeuggruppe ihr Vorspiel erklingen - dann sollte der Einsatz des Publikums kommen. Erst einmal fiel das jedoch, die Leiterin sagte es, "ein bisschen verbesserungswürdig" aus. "Wir spielen es einfach noch einmal, und Sie dürfen es noch einmal singen." Das Finale auf der Marktplatzbühne bildete den Abschluss des vierten Musikschultages im Rahmen der Herrenberger "Sommerfarben" - des ersten Musikschultages in dieser Veranstaltungsreihe, dem blendendes Wetter beschieden war. Die Besucherresonanz war, so Doris Froese, in diesem Jahr denn auch ungleich besser als in den Vorjahren, die diesbezüglich schon nichts zu wünschen übrig ließen. "Wir hatten überall sehr viel Publikum", freut sich die Musikschulleiterin. Die Tribüne war fast immer voll besetzt; auch am Bronntor, wo die leiseren Instrumente spielten, war es fast immer voll." Für die Musikschule und ihre Kooperationspartner - die Jerg-Ratgeb-Schule, die Big-Band des Andreae-Gymnasiums, das Akkordeon-Orchester Herrenbergs, die Behinderten-Gruppe der Lebenshilfe, die Stadtkapelle - haben die "Sommerfarben" in diesem Jahr also wieder voll und ganz ihren Zweck, eine Präsentationsplattform zu bilden, erfüllt.
Da warteten zum Beispiel Malte Vollmerhausen, Manuel Bergler, Fabian Sebastian, Vanessa Lock, Ann-Katrin Fink und Leonie Schittenhelm, Kinder aus dem Saxofon-Spielkreis der Musikschule, aufgeregt auf ihren großen Auftritt vor dem Haus Bökle, die Saxofone in den Händen. Sie sollten einen "Blues in Moll" zu Gehör bringen, eigens komponiert von ihrem Lehrer Laszlo Kocsis. Im Bronntor lernte man ab 13 Uhr "Klavier und andere Tasten" kennen. Musikschüler wechselten sich beim Spiel von Ragtimes ab; die Zuhörerschaft lehnte entspannt auf Klappstühlen. Mehr als 40 Einzelaktionen und Konzerte fanden zwischen 10 und 15 Uhr in der Fußgängerzone statt. Hier spielte das Bläserklassenprojekt der Jerg-Ratgeb-Schule auf, dort trommelte die "Schlagzeug XXL", Blechbläser, Flöten, Klarinetten, Streicher, Holzbläser, Gitarrensoli und -duette, Cello, Akkordeon und Percussion: musikalisch ging es bunt zu am Samstag. Jede Klasse und jedes Instrument der Musikschule zeigten, was sie können.
Immer wieder fanden im Klosterhof zwischen Kammermusik und Querflötenensemble auch "Mitmachaktionen" statt, bei denen die Hände von Kindern und Erwachsenen in die Höhe flogen. Ein besonderes Ereignis war die Aufführung des musikalischen Tanzmärchens "Der Zaubermeister Zarabold", bei der behindere und nicht behinderte Menschen unter der Leitung von Susanne Lehrer mitwirkten. Thomas Roses Gitarrenensemble steuerte zu diesem Stück auf der Marktplatzbühne die Musik bei. An diesem Ort ging dann auch der Musikschultag zu Ende. Insgesamt hatten rund 600 Schüler, 40 Lehrkräfte und etwa 30 Mitglieder des Förderkreises und des Elternbeirats der Musikschule für den Musikschulzauber zum Einkaufsbummel gesorgt. Amerika, erklärt Doris Froese, zog sich als roter Faden durch das Programm. Zugleich wurde aber immer auch Musik vorgestellt, die nicht mit diesem Kontinent in Verbindung steht: "Amerika sollte nur der Schwerpunkt sein." 140 der Musikschüler standen zuletzt, gemeinsam mit dem knapp 30 Stimmen starken Chor des Schickhardt-Gymnasiums auf der Marktplatzbühne und lieferten stimmlich und instrumental die Begleitung zum nicht Publikumsgesang, mit dem der Musikschultag zu Ende ging: "I like to be in America".