Blue Flower

Kinderoper in Entringen: Ein ebenso besonderes wie unaufgeregtes Erlebnis

Gefangen vom Zauber der einfachen Liebesgeschichte



Zart und leicht wie ein Soufflee, dabei von durchaus vollem und nachhaltigem Geschmack - so kam das Singspiel "Bastien und Bastienne" von Wolfgang Amadeus Mozart daher, das Gesangsschüler der Musikschule Ammerbuch mit dem Akkordeonorchester Herrenberg am Samstagnachmittag in der Werkhalle der Zimmerei Karl in Entringen aufführten.


VON JUTTA KRAUSE

Der ungewöhnliche Ort, die ungewöhnliche musikalische Besetzung und die liebevolle, bis ins Detail gelungene Inszenierung von Mira Kokalari ließen die für Kinder konzipierte Aufführung zu einem ebenso besonderen wie unaufgeregten Erlebnis werden. Alles passte hervorragend zusammen: Die improvisierte Bühne in der eigens für die Musiktage freigeräumten Halle, in der noch würziger Holzgeruch in der Luft hing. Das Bühnenbild, das den ein oder anderen unfreiwilligen Blick hinter die Kulissen erlaubte, die schönen Kostüme der großen und kleinen Darsteller, Stimmen und Gestik der Sänger - und die Begleitung des Singspiels durch das Akkordeonorchester Herrenberg. Eigentlich sind dafür Streicher und Bläser vorgesehen, doch brachten die zwölf Akkordeonisten zusammen mit Cembalistin Tanja Kamil die mozart-typisch leichten, gefühl- und schwungvollen Melodien des Stücks, das der Wunderknabe bereits mit zwölf Jahren komponierte, so stimmreich, schön und ausdrucksstark zum Klingen, dass niemand eine sinfonische Begleitung vermisste. Für Dirigent Dieter Dörrenbächer, selbst virtuoser Akkordeonist sowie Leiter des Akkordeon-Orchesters und der Musikschule Ammerbuch, war das keine Überraschung. "Bombastisch und mit viel Vibrato - das kann ein Akkordeon nicht", erklärte er. "Wenn man sich aber am feinen, differenzierten Klang historisch informierter Aufführungen orientiert, ist das mit einem Akkordeonorchester sehr gut machbar."
Überrascht zeigte er sich dagegen von der großen Resonanz der Kinderoper. Mehr als 130 Zuschauer waren gekommen, um die Aufführung mitzuerleben "Bei 100 hätte ich schon einen Luftsprung gemacht - und jetzt ist es noch viel besser", freute er sich. Mira Kokalari, die die Gesamtleitung der Aufführung innehatte, bei der einige ihrer Gesangsschüler mitwirkten, sah damit ihre Idee einer "Kinderoper" bestätigt. "Schon seit Jahren wollte ich eine Oper für Kinder machen, um ihnen damit die Angst vor der Oper zu nehmen", erklärte sie. "Es ist gar nicht so, dass Opern immer ernst und schwer zu begreifen sind. Gerade diese Oper ist leicht zu verstehen, Mozart war ja selbst ein Kind, als er sie komponierte." Um das Singspiel noch zugänglicher zu machen, hat sie ein paar Kleinigkeiten leicht geändert, lockere Elemente eingebaut - wie etwa die kleinen Schafe, die immer wieder mal über die Bühne trabten oder die Elfen, die mit Bastien tanzten - und vor Beginn des Stücks Bilder auf den weißen Bühnenvorhang projiziert, die den Besuchern schon vorher Einblicke in die Geschichte geben. "Die Bilder der Illustratorin Eva Rode sollen das Publikum in die Geschichte reinholen - ebenso wie die Sänger, die zum Schluss ins Publikum gehen und es zum Mitfeiern auffordern."
Der Aufführung gelang es mühelos, große und kleine Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Von dem Moment an, als sich der Vorhang öffnete und den Blick auf die weinende Bastienne freigab, bis zum dreistimmigen Höhepunkt am Schluss (der so schön war, dass er gleich noch einmal als Zugabe erklang) ließen sich alle willig vom Zauber der einfachen Liebesgeschichte gefangen nehmen. Die Handlung ist schnell erzählt: Bastienne, eine junge Schäferin, liebt den Schäfer Bastien. Doch der lässt sich von den Aufmerksamkeiten eines Edelfräuleins verlocken. Die Verlassene wendet sich an den Zauberer Colas. "Vertrau deiner Schönheit und betrüge ihn zum Scherz und Schein", lautet dessen Rat. Bald darauf kommt auch Bastien zu ihm, der seine Bastienne mit Hilfe von Magie zurückgewinnen will. Nach einigen Verwicklungen siegt schließlich die Liebe, und das Stück endet mit der Hochzeit der beiden Liebenden. Den Mitwirkenden gelang es, die simple Geschichte mit viel Witz und Esprit zu erzählen. Die vier Sängerinnen und Sänger brachten allesamt sehr schöne Stimmen zu Gehör - vor allem Bastienne, die mit Francesca Zeh, die die junge Bastienne spielte und Antonia Restemeier, die diese Rolle später übernahm, gleich zweimal hervorragend besetzt war. Bass Matthias Arndt war die Rolle des Zauberers Colas wie auf den Leib geschneidert, er bewies nicht nur Stimme (die sich im Lauf der Aufführung steigerte), sondern auch schauspielerisches Talent, und der Tenor Andreas Kögel verkörperte den lebenslustigen Hirten und leidenden Liebenden mit viel Witz und Charme.